Die Mär von der kontraproduktiven Einmischung

Parteinahme zu Gunsten der iranischen Oppostition könnte kontraproduktiv sein – und das Regime stärken.

Dieser Satz, der in vergleichbarer Weise vielfach in deutschen Medien zu lesen war und ist, stammt von Rudolph Chimelli von der Süddeutschen Zeitung. Seine Begründung, warum die iranische „Oppostition“ es nicht mag, wenn man sie unterstützt,  ist dabei besonders ausgefeilt:

Iraner sind empfindlich. Viele von ihnen, auch wenn sie selber gegen das System sind, hören gute Ratschläge von außen nicht unbedingt mit Begeisterung.

Ja, die verprügelten oder inhaftierten Demonstranten sowie die unterdrückten Frauen und Homosexuellen dürften auch wahrlich keine andere Sorgen als „Ratschläge von außen“ haben. Zumal Chimellis Text selbst als Einmischung bezeichnet werden könnte, wirkt es doch so, als betreibe da jemand in einem deutschen Blatt Propaganda für das Mullah-Regime. Denn an die Chimelli zufolge übermäßig kritischen Merkel und Sarkozy gerichtet, heißt es:

Präsident Barack Obama verhält sich geschickter, wenn er alles zu vermeiden sucht, was die Iraner als Einmischung deuten könnten.

Chimelli verschweigt wohlweislich, das sogar Obama seitens des Mullah-Regimes der „Einmischung“ bezichtigt wurde, obwohl dessen Wohlwollen gegenüber den Mullahs nun wahrlich nicht in Frage gestellt werden kann. Wenn nicht einmal der größte lebende Appeaser der Welt vom Krokodil verschont wird, wer dann? Und was tun? Die Antwort in der Logik des Appeasements lautet (natürlich): Schwamm drüber, weiter wie bisher. Und ja nicht auf die Realität achten, auch wenn man die Augen noch so sehr zusammenkneifen muss. Wie Chimelli:

Auch wenn Obama seine Kritik an Teheran immer schärfer formuliert, will er im Nahen Osten keine Türen zuschlagen, schon gar nicht in dem Augenblick, da er die US-Botschaft in Syrien, also beim Verbündeten der Iraner, wieder öffnet.

Tja, schade nur, dass Syrien sich mal wieder gegen die Tür drückt, die im Übrigen niemals dabei war, sich auch nur einen Spalt breit zu öffnen.

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4 Antworten zu „Die Mär von der kontraproduktiven Einmischung“

  1. Die Mär von der kontraproduktiven Einmischung « Zeitung für Schland Sagt:

    [...] auf FREE IRAN NOW! Beschlagwortet mit:Appeasement, Iran, Obama, Syrien leave a comment « Ein Freund, ein [...]

  2. dr.allesklar Sagt:

    ha. natürlich ist es klar, dass das regime refelxartig von der „us-amerikanischen einmischung“ sprechen wird, egal, was obama macht. das heißt im umkehrschluss aber noch lange nicht, dass o. sämtliche regeln der diplomatie ausser acht lassen und emotional eingefärbte kriegsreden schwingen sollte. im iran hat niemand vergessen, dass unter anderem der amerikanische geheimdienst für den sturz des demokratisch gewählten mp mossadegh verantwortlich war.

  3. “Einmischung” « Iran Baham Blog Sagt:

    [...] vor “Einmischungen in innere Angelegenheiten” gelegt werden. Auf dem Free Iran Now Blog verweist Mr. Moe auf die zynischen Warnungen vor der “Einmischung in innere Angelegenheiten”. Gewohnt [...]

  4. Was passiert mit den Gefangenen? « FREE IRAN NOW! Sagt:

    [...] einmischen. Und sich auf keinen Fall mit der iranischen Opposition solidarisch zeigen, das nützt nur dem Regime! Laut einer Meldung der studentischen Nachrichtenagentur Amir-Kabir wurden einige der Studenten, [...]


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