Wird das Freitagsgebet diese Woche wirklich der Opposition gehören? Es sieht langsam so aus. Rafsandjani predigt. Die Leute werden mobilisiert und sollen zur Universität kommen. Moussavie, Karrubi und Khatami wollen erscheinen. Es wäre das erste offizielle öffentliche Auftreten Moussavies seit der Samstagsdemonstration.
Und die Anderen? Regimetreue Blätter ziehen über Rafsandjani her und schreiben, es sei wohl sein letzter Auftritt als Freitagsprediger. Wenn sie nicht mehr zu bieten haben, ist das schwach. Rafsandjanis große Stunde? Hat die Sphinx so lange und so beharrlich geschwiegen, um am Freitag die Bombe platzen zu lassen? Eines dürfte klar sein: er muß jetzt etwas sagen. Oder er hat nichts zu sagen. Aber selbst ein Schluckauf würde in diesem Augenblick Bedeutung erlangen. Der religiöse Oberführer kann jedenfalls schlecht das Freitagsgebet verbieten. Und Mahmoud? Mahmoud fährt angeblich lieber nach Maschad, um sich Rafsandjani nicht anhören zu müssen. Es dürfte ihm peinlich sein.
Moussavies Facebookseite sagt jetzt:
“ANOTHER BIG EVENT IS GOING TO COME….
“Venue on 26th Tir (July 17th)”
“Rafsanjani to address the people for Friday’s prayers at Tehran University”
“Arise, Green Wave!”
“The day we were awaiting is finally going to come”
“With the presence of Seyyed Mohammad Khatami and Mir Hossein Mousavi”






15. Juli 2009 um 05:44
Hier ist die Gefahr am Grössten. Die antiislamistische Tendenz der Demonstrationen und Proteste der letzten Wochen war nicht mehr unter der Kontrolle Rafsandschanis und Moussavis. Die neuesten Proteste waren nicht einmal durch einen Aufruf Moussavis zustandegekommen, der zuvor versprochen hatte, keine ungenehmigten Demonstrationen mehr abzuhalten. Die Mullahs in Qom und ihre graue Eminenz haben potentiell ein gemeinsames Interesse mit Khatami und Ahmadinedschad, die Rettung der islamischen Republik. Dass Rafsandschani jetzt das Freitagsgebet leiten wird, könnte die notwendige Öffnung eines Ventils darstellen, um den grössten von der Strasse kommenden Druck abzulassen. Es könnte in Persien, dem Mutterland des Schachspiels, zu einer konsolidierenden Rochade kommen, in der die „Spitze der Opposition“ eingebunden statt bekämpft wird. Damit hätten die Perser die letzte Finesse der Staatskunst gelernt: Das vergossene Blut in den Strassen Teherans wäre dann nicht viel mehr als das Schmiermittel der Karriere Moussavis. Man sollte nicht vergessen, dass Ahmadinedschad selbst einst auf einer Welle der öffentlichen Empörung über die Korruption und Anmassung der Mullahs ins vermeintlich höchste Amt gespült wurde. Ich kann nur hoffen, dass die iranische Opposition, die diesen Namen verdient, sich über diese Manöver im Klaren ist und es ihr wieder gelingt, den über Nacht zu Volkstribunen gewordenen das dramaturgische Heft aus der Hand zu reissen. Das letzte, was jetzt gebraucht wird, ist eine Palastrevolution, die die schmerzhafte Selbstemanzipation der Iraner rückgängig macht. Die Protestler haben bisher die Bartträger verschiedener Couleur recht erfolgreich vor sich hergetrieben und sollten sich nicht auf ein verdächtiges Räuspern Rafsandschnanis freuen. Marg bar ismali dschumhuriya.