Vom Mittäter zum Heiligen

Iran Baham erinnert angesichts der Reaktionen westlicher Medien auf den Tod von Montazeri daran, wer da eigentlich gestorben ist:

Montazeri ist der Vater der Islamischen Republik. Er ist der Architekt des “Velayate Faghih”, des Postens des Geistlichen Führers. Er sollte Khomeini nach seinem Tode beereben, doch fiel er in Ungnade. Er zeigte Mut: Als die Revolution sich gefestigt hatte, begannen die Schergen des Regimes in einer Nacht- und Nebelaktion Mitglieder der “Volksmujahedin” zu töten. Auch Mitglieder der “Fadayane Khalgh” (linke Gruppierung) fielen der Brutalität zum Opfer. Montazeri schrieb Khomeini damals einen Brief, in dem er zu bedenken gab, dass es wenig islamisch sei diese Menschen ohne Gerichtsverhandlung gruppenweise zu töten. Das war der Bruch; er verlor nicht nur die Möglichkeit der Geistliche Führer zu werden, er machte sich die Herrscher zum Feind.

Doch Montazeri war kein unbeschriebenes Blatt und es ist peinlich, wie wenig Wissen Spiegel, Welt & Co. haben, wenn sie ihn gerade zum Heiligen emporheben.
Die Revolution war gerade wenige Tage alt, Khomeini war in den Iran gekehrt. In den ersten Monaten war eine Schule in Teheran seine Unterkunft, seine engsten Gefährten -darunter auch Montazeri- waren um ihn herum. In dieser Schule wurden im Akkord hochrangige Offiziere des Militärs auf dem Dach des Gebäudes erschossen. So wie das seinerseit die Nazis machten. Montazeri wusste von all dem und schwieg. Sein ältester Sohn Mohammad, (die Perser nannten ihn Mohammad Ringo, benannt nach einer Figur in einem amerikanischem Western) der mittlerweile auch schon tot ist, hat Kiloweise Goldrücklagen des Landes gestohlen, um die Hisbollah in Libanon zu berreichern, sein Vater hat nichts gesagt.

Bis zu seinem Tod ist Montazeri kein Gegner der Islamischen Republik gewesen, leidiglich ein Gegner der führenden Köpfe der Islamischen Republik. Genau DAS ist der Konflikt: Die Perser haben unmissverständlich klargestellt, dass sie die Islamische Republik ablehnen. Sie gehen auf die Straßen, kämpfen und opfern sich für eine Demokratie, die nicht existieren kann, wenn daneben die Religion Einflussmöglichkeiten hat, wie Montazeri es sich vorgestellt hat (er wollte eine Korrektur des “Velayate Faghih”). Montazeri hat die Herrscher kritisiert, als im Sommer die Unruhen angefangen haben. Doch gehört wirklich viel Mut dazu? Ein alter Mann war er, der sein Leben gelebt hat, das wusste er.

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3 Antworten zu „Vom Mittäter zum Heiligen“

  1. Zu früh gefreut « Freunde der offenen Gesellschaft Sagt:

    [...] verstorbenen Kleriker Montazeri („der wichtigste Mensch in meinem Leben“), dessen dunkle Seiten von seinem Schüler Kadivar natürlich nicht angesprochen werden, beschwört er die Einheit der [...]

  2. Zu früh gefreut « FREE IRAN NOW! Sagt:

    [...] verstorbenen Kleriker Montazeri („der wichtigste Mensch in meinem Leben“), dessen dunkle Seiten von seinem Schüler Kadivar natürlich nicht angesprochen werden, beschwört er die Einheit der [...]

  3. Kluge Worte « FREE IRAN NOW! Sagt:

    [...] 29. Mai 2010 — lalibertine Saadeh Montazeri, die Tochter von Großayatollah Montazeri, fordert Hossein Mousavi auf, sich seiner eigenen Vergangenheit als Stütze des Chomeini-Regimes zu [...]


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