Auf der Titelseite der gestrigen Ausgabe der ZEIT ist über den großen roten Buchstaben “Weg damit! Was wir so schnell nicht mehr sehen, schmecken, riechen, fühlen und hören wollen” doch tatsächlich ein durchgestrichenes Bild des iranischen Präsidenten Ahmadinedschads zu sehen. Unterschrieben ist das Bild noch dazu mit “Weg mit dem Unterdrücker von Teheran”.
Freilich wäre “Weg mit den Unterdrückern von Teheran” treffender. Freilich ist es doch recht heuchlerisch, wenn sich ausgerechnet jene Zeitung, die Christoph Bertram regelmäßig als Fürsprecher des iranischen Regimes ein Forum bietet, plötzlich als regimekritisch verkaufen möchte. Freilich relativiert sich die vermeintlich starke Aussage dadurch, dass ZEIT-Redakteure auch “Frauen, die nur an das eine denken”, “ehrgeizige Mütter auf Elternabenden” und “Energiesparlampen” nicht mehr sehen können.
Es bleibt ein – zugegebenermaßen überraschtes: “immerhin”.





1. Januar 2010 um 23:39
Kommt ZEIT, kommt Einsicht, könnte man da fast geneigt sein, auszurufen.
Aber wie du schon sagtest, Mr. Moe: eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – und zuerst steht ja noch der Frühling ins Haus.
3. Januar 2010 um 13:36
Es werden in Zukunft noch viele, sehr viele heuchlerische “Reformunterstützer”, allen voran die verkorksten deutschen Medien, die langsam einsehen werden, dass sie auf die Verliererseite gesetzt haben, mit erhobener Brust zur Verurteilungstat der IVR (Islamische Vergewaltiungsrepublik) schreiten und sich so darstellen, als hätten sie der “Reform” eh nie Chancen eingeräumt, weil das Regime gänzlich verschwinden müsse. Insgesamt hat die deutsche Presselandschaft ein Armutszeugnis abgeliefert, was SERIÖSEN Journalismus in Sachen Iran/IVR angeht! Sie haben es in den seltensten Fällen verstanden, sich die RICHTIGEN Interviewpartner auszusuchen, waren sie doch zu sehr geblendet von der “Grünen Welle”, die nicht selten aus sogenannten Reformern der IR bestand. Selten, viel zu selten, wurde das Kind beim Namen benannt. Und Iraner, die das taten, wurden im Gegenzug dazu auch noch als hassorientierte Wesen diffarmiert.
German press: sucks!
3. Januar 2010 um 13:54
Ich lese eben diesen Schmarren von Frau Hoffmann in der FAZ. Auszug:
Für die Opposition ist Islam Identität und Verwurzelung in der eigenen Kultur. Weder im Exil noch in Iran gibt es eine ernst zu nehmende politische Bewegung, die sich nicht als islamisch versteht.
Hat die sich mit dem (schiitischen) Muslim-Markt abgesprochen?
3. Januar 2010 um 16:11
@Shalya:
Kürzer und zugleich treffender kann man es wohl nicht ausdrücken
@Bernd:
Hoffmann ist einschlägig für ihre kruden Ansichten bekannt, aber diese “Analyse” setzt dem Ganzen mal wieder die Krone auf.
3. Januar 2010 um 17:14
Eigentlich schreibt sie wie eine Konvertitin, die Muslimen Islamunterricht erteilt.
Es ist wahrlich eine Kunst, so viel Schrott in einem einzigen Text mit gerade einmal knapp 4.200 Zeichen unterzubringen. Sie hat keine Ahnung und “argumentiert” auch noch damit.
6. Januar 2010 um 13:05
Immer dieses Aburteilen DER deutschen Presse bzw. einer Zeitung als Ganzes. Wenn man die ZEIT genauer liest, kann man bezüglich der Geschehnisse im Iran schon eine Tendenz in die richtige Richtung erkennen. Das wird meiner Meinung nach auch nicht dadurch relativiert, wenn Regimefürsprechern mal “ein Forum” geboten wird. Mag sein, dass die ZEIT-Autoren die aktuellen Geschehnisse nicht immer in genügendem Maße einzuordnen wissen und auch mal eine Falschdeutung dabei ist. Dennoch freut es mich, wenn Josef Joffe in seinem Jahrzehnt-Rückblick wie selbstverständlich von der zweiten iranischen Revolution schreibt und der folgende Artikel Seite 2 der aktuellen Ausgabe füllt:
http://www.zeit.de/2010/01/Iran
Immerhin, eben.
Der Vorwurf der Heuchelei jedenfalls trifft es meiner Meinung nach ganz und gar nicht. Dem könnte man genug ZEIT-Artikel entgegenhalten.
6. Januar 2010 um 13:35
@Theresa:
Sie haben absolut recht, dass es in der ZEIT ab und an auch einmal Artikel gibt, deren Tendenz “in die richtige Richtung” gehen (wie etwa bei Joffe, den ich schätze). Am Gesamteindruck änder das m.E. aber wenig. Vergleichen Sie doch einfach mal, wie etwa das Wall Street Journal über den Iran berichtet wird, was für Leute da schreiben und was sie fordern.
Mein oben geäußertes Urteil ist gewiss polemisch und folglich überspitzt, aber vergleichbares sehe ich in Deutschland nicht, so leid es mir tut. Und den Bertram wischen Sie mir auch etwas zu schnell bei Seite: wer so jemanden auf seinen Seiten veröffentlichen lässt, kann nicht als Gegner des Regimes bezeichnet werden, beim besten Willen nicht.