Qualitätsjournalismus mit drei Monaten Karenzzeit

Die Berichterstattung der deutschen Medien über den Iran oder den Nahen Osten ist so relevant und aktuell wie die deutsche Nahostpolitik mutig und frisch. Was etwa in England oder Amerika ein aufwenig betreuter Live Blog ist, der sich aus allen möglichen Quellen speist, das nennt sich hierzulande  “Live-Ticker” und wird von Praktikanten mit Agenturnachrichten bestückt. Und angebliche Neuigkeiten umgibt nicht selten Spinnwebenaura.

Für den journalistischen Coup sorgt heute jedenfalls das Handelsblatt: Die heimlichen Iran-Geschäfte der Bundesbank.

Die Welt hat die unglaubliche Geschichte auch schon übernommen, die anderen deutschen Zeitungen, so steht es zu vermuten, entdecken die Geschichte dann spätestens morgen und übermorgen, je nachdem, wie schnell man die Konkurrenzblätter durchblättert.

Und die Geschichte ist ja auch wirklich ein Skandal: mit Hilfe der Bundesbank und durchgewunken von Bundesministerien sollen über die in Hamburg sitzende Europäisch-Iranische Handelsbank (EIHB) iranisch-indische Öllieferungen abgerechnet werden. Ein Geschäft, so das Handelsblatt, daß sich im Februar angebahnt habe.

Seltsam, kommt Ihnen das bekannt vor?

Sie meinen, weil Sie am 4. Januar, Free Iran Now gelesen haben? Oder am 5. Februar? Kann schon sein.

Im Wall Street Journal wurde das auch schon vor Wochen erwähnt, und die Iraner selbst haben den Plan Anfang Januar bekannt gegeben. Aber das wäre wohl ein bißchen arg viel Recherche für die deutschen Qualitätsmedien gewesen. Oder woran liegt es? Warum ist jetzt ein Skandal, was vor Monatsfrist noch keine deutsche Zeitung interessiert hat?

Opportunismus, Unfähigkeit?

2 Antworten zu „Qualitätsjournalismus mit drei Monaten Karenzzeit“

  1. Qualitätsjournalismus mit drei Monaten Karenzzeit (via FREE IRAN NOW!) « Toumai1470's Blog Sagt:

    [...] toumai1470 Uncategorized Einen Kommentar hinterlassen Die Berichterstattung der deutschen Medien über den Iran oder den Nahen Osten ist so relevant und aktuell wie die deutsche Nahostpolitik mutig und frisch. Was etwa in England oder Amerika ein aufwenig betreuter Live Blog ist, der sich aus allen möglichen Quellen speist, das nennt sich hierzulande  "Live-Ticker" und wird von Praktikanten mit Agenturnachrichten bestückt. Und angebliche Neuigkeiten umgibt nicht selten Spinnwebenaura. Für den journal … Read More [...]

  2. Hilft Deutschland plötzlich nicht mehr? « FREE IRAN NOW! Sagt:

    [...] müssen  die deutschen Medien zum Jagen getragen werden, monatelang interessiert sich in Deutschland niemand für den Ölabrechnungsdeal mit dem Iran, dann [...]


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