Hohler Jubel

Welche Auswirkungen das in aller Schnelle und unter Geheimhaltung in Kairo unterzeichnete Abkommen zwischen Fatah und Hamas fuer die Zukunft des Nahen Ostens haben wird ist voellig offen. Wird es die Hamas staerken oder schwaechen, die Fatah weiter radikalisieren, ein, wie auch immer geartetes, Friedensabkommen mit Israel endgueltig verunmoeglichen? Jede Antwort auf solche Frage bewegt sich im Bereich der reinen Spekulation.

Eines aber duerfte schon jetzt klar sein. Es gibt drei grosse Verlierer. Die USA, die Tuerkei und vor allem den Iran. Der Jubel in Teheran ist hohl. Denn sollte es zu einer Einigung von Hamas und Fatah unter aegyptischer Patronage kommen, dann wuerde der Einfluss des Iran auf die Hamas, die, zusammen mit der Hizbollah, wichtigster parastaatlicher Akteur im iranischen low-intensity Terrorkrieg ist, schrumpfen. Welche Interesse auch immer das neue Aegypten in der Region verfolgen wird, an wachsendem iranischem Einfluss im eigenen Einflussgebiet hat es nicht nur innenpolitisch keinerlei Interesse, auch wuerde man sich in diesem Fall mit den Golfstaaten, den wichtigsten Investoren in Aegypten anlegen. (Die halbherzig ausgestreckten Haende gen Iran haben auch den Zweck, Golfstaaten und USA ein wenig zu erpressen, um mehr Hilfsgelder einzustreichen. Derartige Tricks beherrscht das aegyptische Militaerestablishment perfekt.)

Im Gegenteil: das Hamas-Fatah Abkommen scheint ein Versuch zu sein, den Einfluss der zwei nichtarabischen Hegemonialmaechte Iran und Tuerkei im arabischen Nahen Osten zurueck zu draengen. Drehscheibe fuer deren Interventionen in der arabischen Welt wiederum war und ist das syrische Regime, dessen Zukunft momentan bestenfalls ungewiss ist.

Die USA unter Obama, der bislang noch alles falsch im Nahen Osten gemacht hat, haben voll auf die Tuerkei als Vermittler gesetzt. Nur faellt die tuerkische Nahostpolitik dieser Tage gerade wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Israel wird es also in Zukunft wieder verstaerkt mit den arabischen Staaten und Akteuren zu tun haben, weniger mit der Tuerkei und dem Iran. Dessen Einfluss auf die Region nimmt momentan rapide ab, die mit viel Muehe und Petrodollars aufgebauten regionalen Stuetzpfeiler wackeln bzw. drohen einzustuerzen. Sollte das Assad Regime fallen wird sich auch die Lage im Libanon drastischzu Ungunsten der Hizbollah veraendern.

Momentan also sieht es so aus, dass die Entwicklungen dem Iran schaden. Ob sie dagegen deshalb Israel oder den sogenannten moderaten Palaestinensern, die so etwas wie eine praktikable Zweistaatenleosung anstreben, nuetzt, ist noch voellig unklar. Denn ob mit Unterstuetzung des Iran oder unter dem Schirm Aegyptens, die Hamas bleibt eine antisemitische Terrortruppe, deren erklaertes Ziel die Vernichtungs Israels ist.

Aber es koennte durchaus auch sein, dass dieses Agreement sich als Rohrkrepierer erweist, wie seine Vorgaenger auch.

About these ads
Veröffentlicht in Hintergrund. 3 Comments »

3 Antworten to “Hohler Jubel”

  1. JeanJean Says:

    Die Nase vorn hat zur Zeit eindeutig die Moslem Bruderschaft, die den Deal einfädelte.Ihr militanter Arm, die Hamas wird nun vermutlich bald auch offiziell von westlichen Politikern als Gesprächspartner anerkannt. Der öffentliche Auftritt der Salafisten, die mit der Ermordung des italienischen Israelhassers Arrigoni eine schöne PR bekamen, gibt der Hamas die Gelegenheit sich als moderatere Organisation zu präsentieren. Dass sie Israel vernichten wollen gehört zu lokalen “Kultur” und wird in immer weiteren Kreisen als verständliche Notwehr interpretiert.
    Das Bündnis Hamas und Fatah muss bis zur Abstimmung bei der UN über die Anerkennung eines Palästinenser Staates halten, dann können die Karten neu gemischt werden. Tatsächlich hatte der Westen ja stets darauf gedrängt die beiden Brüder sollten sich vertragen. ( Möglicherweise glaubten manche dies sei eine zu hohe Hürde)
    Um sich die schönen neuen Beziehungen zum demokratischen Ägypten nicht zu verderben wird der Westen wohl nur darauf drängen die Zerstörung Israels doch bitte nicht zu offen und in moderaten Scheibchen zu betreiben.Durch den erneuten Anschlag auf die Gaspipeline bei El Arisch wird die MB höflich gemahnt nicht zu viel Kreide zu fressen.
    Die Schwächung des Iran, die Sie beschreiben würde natürlich wunderbar sein. Doch eher ein mittelfristiges Ergebnis nach dem Sieg in Libyen. Noch sind dort die Insurgenten auf die iranische Hilfe angewiesen. Nach der Machtübernahme kann das natürlich anders aussehen.
    Die Türkei muss sich für ihre neue Flottille einen Knaller ausdenken, sonst wirkt sie als selbsternannte Führungsmacht so schwach wie die NATO der gerade die Raketen ausgehen.
    Von der UN oder den Menschenfreunden des R2P Bündnisses können die Syrer nichts erwarten. Militärisch geht dem Westen die Luft aus und eine Verurteilung Assads bei der UN ist wohl unwahrscheinlich. Syriens Antrag auf einen Sitz im Menscherechtsrat der UN ist noch nicht vom Tisch. Die “Weltgemeinschaft” ist beileibe nicht so moralisch wie unsere Medien es uns gerade einreden möchten.

  2. Asyl fuer die Hamas? « FREE IRAN NOW! Says:

    [...] hat die dort regierende al-Thani Familie so wenig Interesse wie Saudi Arabien. Am Ende koennte Teheran dann einer der grossen Verlierer der neuen von Aegypten initiierten Nahostpolitik sein. Und das waere, bei aller berechtigten Sorge [...]

  3. Asyl fuer die Hamas II « FREE IRAN NOW! Says:

    [...] Ende koennte Teheran dann einer der grossen Verlierer der Neuen, von Aegypten initiierten Nahostpolitik sein. Und das waere, bei aller berechtigten [...]


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 48 Followern an

%d Bloggern gefällt das: