Plötzliche Erkenntnis

Plötzlich ist die Lieferung von Überwachungstechnologie an das Mullah-Regime im Rahmen eines Joint Ventures der Firmen Siemens und Nokia in den deutschen Medien ein Thema. Plötzlich fragt selbst Spiegel Online: „Sind deutsche Unternehmen Kollaborateure des Regimes in Iran?“

Sie hätten es alle längst wissen können. Denn Benjamin Weinthal, der Deutschland-Korrespondent der israelischen Tageszeitung Jerusalem Post, berichtete schon vor mehr als einem Jahr über den Deal. Die Organisation Stop the Bomb! protestierte gegen Siemens und andere Kollaborateure. Und in der Berliner Wochenzeitung Jungle World schrieb Cornelia Fiedler im Februar dieses Jahres nach der Siemens-Hauptversammlung:

Erstmals musste sich [der Siemens-Vorstandsvorsitzende] Löscher offiziell dazu äußern, ob der Konzern Überwachungstechnologie an iranische Geheimdienste geliefert habe. Er erklärt, verantwortlich für das Geschäft mit Telekom­munikationstechnologien sei das eigenständige Joint-Venture Nokia Siemens Network. Entwickelt wurde die „Intelligence Platform“ allerdings noch im Hause Siemens. Zu den Kunden zählen Geheim­dienste in 60 Ländern. Kern der Überwachungstechnologie ist eine Software, die unter anderem alle technisch verfügbaren Daten wie Telefon- und Internetverbindungen, Versicherungsdaten, Konto­bewegungen etc. ­erfasst und auswertet. Das iranische Regime ist damit zum Beispiel in der Lage, um­fassende Profile von Oppositionellen zu erstellen.

Wie gesagt: Man hätte es schon vor langer Zeit wissen können, wenn man es denn hätte wissen wollen. Aber man mochte das deutsche Iran-Business ja nicht stören. Und die wenigen, die es störten, galten als naiv und nervig. Dies an die Adresse jener, die auf einmal von einem Skandal sprechen, wo sie vorher partout keinen sehen wollten.

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Eine Antwort to “Plötzliche Erkenntnis”

  1. Siemens auf dem Rückzug « FREE IRAN NOW! Says:

    […] der Verfolgung der Demonstranten Überwachungstechnologie von Nokia/Siemens einsetzte, war das für beide Unternehmen ein PR-Desaster. Aussitzen konnte man den durch Stop the Bomb aufgedeckten Skandal jedenfalls nicht und beschloss […]


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