„Nachdem der Revolution das Volk abhanden gekommen ist, scheint die Theokratie nun auch ihre Theologen zu verlieren“

Und weiter geht das Weissagen, wie und ob der Protest der Mullahs wirklich gefährlich für das Regime ist. Die Süddeutsche findet: er ist gefährlich. Besonders die hier bereits vermeldete jüngste Fatwa Montaseris.  Der Kommentar von Katajun Amirpur in der SZ dazu ist lesenswert (Link im Text). Aus dem Perlentaucher heute:

Die SZ hat die Fatwa des Groß-Ayatollah Hossein-Ali Montaseri gegen die iranische Regierung übersetzt, die der Theologe Mohsen Kadivar auf seiner Webseite veröffentlicht hat (auch auf Englisch). So erklärt Montaseri: „Eine Obrigkeit, die auf Knüppeln, auf Ungerechtigkeit und Rechtsverletzungen basiert, die sich der Wahlstimmen bemächtigt und diese manipuliert, die mordet, verhaftet und wie im Mittelalter und mit stalinistischen Methoden foltert, die ein Klima der Unterdrückung schafft, Zeitungen zensiert, Kommunikationswege stört, die gebildete Elite der Gesellschaft unter absurden Vorwänden inhaftiert und falsche Geständnisse erpresst, eine solche Obrigkeit ist aus religiöser Sicht und in den Augen eines jeden Vernünftigen zu verurteilen und besitzt keinen Wert. (…) Das Land gehört dem Volk, nicht irgendjemandem. Das Volk trifft die Entscheidung, die Amtsträger haben im Dienste des Volkes zu stehen.“

In einem Kommentar glaubt Katajun Amirpur, dass diese Fatwa weitreichende Folgen haben könnte. Denn Montaseri, der einst die offizielle Staatsdoktrin der Islamischen Republik begründete, aber nach seiner Kritik an den Massenhinrichtungen aller Ämter enthoben wurde, folge einer langen Tradition schiitischer Geistlicher, gegen eine ungerechte Herrschaft zu protestieren. Und: „Wenn Montaseri hier nun den Sturz der iranischen Regierung religiös rechtfertigt, dann könnte auch diese Fatwa auf lange Sicht ein Todesurteil sein: für die Diktatur in Iran. Denn viele Geistliche sind Montaseri bereits gefolgt oder werden dies bald tun. So haben soeben mit den Ayatollahs Bayat-Zanjani und Ghaffari zwei weitere hochrangige Kleriker die Regierung in Teheran für illegitim erklärt.“ (Hier ein ausführliches Porträt Montaseris im Spiegel von 2003, hier die englische Version von Montaseris Homepage)

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