Sieh’ an der Blocher!

Blocher: Tinner-Pläne gehören fremden Staaten
Daniel Foppa

Kurze Erklärung vorweg (Nach Hagalil):

Seit bald fünf Jahren beschäftigt die Affäre Tinner die Schweizer Öffentlichkeit und führt zu heftigen Debatten in Politik und Justiz. Dabei werden die Gebrüder Urs und Marco Tinner, sowie deren Vater Friedrich Tinner beschuldigt, dem Atomschmuggel-Netzwerk des “Vaters” der pakistanischen Atombombe Abdul Qader Khan, angehört zu haben…

Christoph Blocher (Schweizer Volkspartei/SVP) sagt erstmals offen, die Tinners hätten ihre Atom-Pläne von fremden Staaten erhalten. Laut Experten sind sie für den Iran bestimmt gewesen.

Während die Geschäftsprüfungsdelegation und der Bundesrat gemeinsam beraten, wie sie mit den wieder aufgetauchten Tinner-Akten verfahren wollen, hat sich Christoph Blocher zu Wort gemeldet. Gegenüber «Teleblocher» erklärte er:

«Bei den Tinners hat man Akten gefunden, die zur Herstellung von Kernwaffen genügen würden. Wie man anschließend herausgefunden hat, haben die Tinners im Namen anderer Staaten gehandelt. Nämlich um die Verbreitung von Kernwaffen zu verhindern.»

Zu den Tinner-Akten selbst sagte Blocher:

«Gewisse Staaten wollten, dass man ihnen diese Akten rausgibt, weil ihnen diese Akten gehören. Sie haben sie ja zuerst natürlich denen [den Tinners] gegeben.»

Der ehemalige Justizminister räumt damit ein, dass andere Staaten Druck auf die Schweiz ausübten, ihnen die Akten auszuhändigen. Gemeint sind die USA und vermutlich Großbritannien. Die Zusammenarbeit der Tinners mit der CIA ist unbestritten. Und der britische Geheimdienst MI6 war maßgeblich an der Zerschlagung des vom Pakistaner Abdul Qadeer Khan geleiteten Atomschmuggler-Netzes beteiligt, für das die Tinners tätig waren.

Bemerkenswert ist, was Blocher zur Herkunft der Akten sagt. Demnach «gehören» die Akten fremden Staaten, die sie den Tinners gegeben haben. Blocher stützt damit die These, die USA hätten den Tinners manipulierte Pläne zugespielt, um so den Bau von Atombomben in Ländern wie dem Iran zu sabotieren.

Das immense Interesse der USA

Ein Verfechter dieser These ist der Geheimdienst-Experte Erich Schmidt-Eenboom. «Blochers Aussagen zeigen, dass die Tinners von den USA Baupläne erhalten haben», sagt der deutsche Publizist, der sich auf Geheimdienstkreise stützt. Laut ihm sind die Pläne abgeändert und zum Teil unbrauchbar gemacht worden. «Die USA haben nun ein immenses Interesse daran, dass die manipulierten Pläne nicht an die Öffentlichkeit gelangen», sagt Schmidt-Eenboom. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass bekannt werde, wie die CIA die Pläne abgeändert hat. «Darum setzen die USA die Schweiz derart unter Druck», sagt Schmidt-Eenboom.

Laut seinen Informationen sind die bei den Tinners gefundenen Pläne für den Iran bestimmt gewesen. Tatsächlich explodierten im iranischen Nuklearprogramm mehrfach Zentrifugenpumpen – wegen manipulierter Pläne aus dem Westen. Urs Tinner selbst hat Anfang des Jahres erklärt, Uran-Zentrifugenrohre abgeändert zu haben. Laut seinem Anwalt will er sich derzeit nicht näher zur Zusammenarbeit mit anderen Staaten äußern.

(Tages-Anzeiger, 21.7.09)

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