Entwarnung eines Wahnsinnigen

Nachdem Ulrich Ladurner in Sachen Appeasement in bemerkenswerter Manier vorgelegt hat, zieht Christoph Bertram, Deutschlands größter „Iran-Experte“ und als solcher Chef-Appeaser, nach. In einem Interview mit n-tv erklärt Bertram dem geneigten Leser, dass der Westen bislang doch zu wenig auf die Bedürfnisse Teherans eingegangen sei und es „bisher kein glaubwürdiges Angebot zu einem umfassenden Gespräch gegeben“ habe. In Bezug auf die Ungewissheit des Erfolgs von Sanktionen stellt Bertram die durchaus bedeutsame Frage, was der Westen denn täte, wenn sich etwaige Sanktionen als wirkungslos erweisen sollten. Seine Antwort stellt eine argumentatorische Höchstleistung dar:

Fangen wir dann an, uns militärische Maßnahmen zu überlegen, wie es der amerikanische Senator Joe Liebermann auf der Münchner Sicherheitskonferenz gefordert hat? Das kann es doch nicht sein.

Nachdem geklärt wäre, dass nicht sein kann, was nicht sein darf, widmet sich Bertram der Frage, was denn überhaupt so schlimm daran wäre, wenn die Islamische Republik Iran über Atombomben verfügte. Hierbei stellt Bertram zunächst fest, dass der Iran ja „nur ein paar wenige davon“ hätte – ganz so als sei nicht bereits eine einzige iranische Bombe das, was es mit allen Mitteln zu verhindern gelte. Darüber hinaus vergleicht Bertram die Islamische Republik einmal mehr mit der Sowjetunion, auch er die vermeintliche „Parallele zum Kalten Krieg“ nicht „überstrapazieren“ wolle. Sicher sei in jedem Fall, dass von einem nuklear bewaffneter Iran keine unmittelbare Gefahr ausginge:

Ein Iran mit Nuklearwaffen würde sich wie alle anderen Staaten mit Atomwaffen verhalten: Er würde diese Waffe auf keinen Fall für einen Angriff, sondern zur Abschreckung verwenden.

Bertram verkennt nicht nur, dass der Iran eben nicht „wie alle anderen Staaten“ ist, sondern ein Unstaat, und es infolgedessen schon grundsätzlich keine Garantie dafür geben kann, dass eine iranische Bombe ausschließlich „zur Abschreckung“ verwendet werden würde. Ferner ignoriert Bertram vollkommen, dass ein nuklear bewaffneter Iran auch ohne einen nuklearen Angriff fatale Folgen für den Nahen Osten, den Westen und nicht zuletzt die demokratisch gesinnten Kräfte im Iran hätte – sei es durch die Auslösung eines nuklearen Wettrüstens mit illustren Beteiligten wie Ägypten oder Saudi-Arabien, sei es durch die Erpressung kleinerer Golfstaaten, sei es durch die Manifestation der Islamischen Revolution. Außerdem gibt es da ja auch noch Israel:

Die Vorstellung, dass sich der Iran mit seinen paar Bomben gegen ein nuklear hoch gerüstetes Israel durchsetzen könnte, erscheint mir mehr als absurd. Im Übrigen ist das eine Meinung, die auch viele Strategen in Israel vertreten: Die iranische Bombe wird die Sicherheit Israels nicht entscheidend beeinträchtigen.

Es ist überaus bemerkenswert, dass Bertram einige Zeilen zuvor verkündet hat, dass der Iran angereichtertes Uran eigener Auskunft nach zu „medizinische Zwecke“ benötigte, jedoch die Vernichtungsdrohungen der führenden iranischer Amtsträger – Ahmadinedschad und Khameini – als „mehr als absurd“ abtut. Bertram verschweigt überdies geflissentlich, dass das „nuklear hoch gerüstete“ Israel schon durch eine einzige atomare Bombe ausgelöscht werden könnte, während der ehemalige iranische Präsident Rafsandschani einst öffentlich verkündete, dass ein etwaiger nuklearer Gegenschlag nur unwesentlichen Schaden in der „islamischen Welt“ anrichten könne und es demzufolge nicht irrational sei, derartige Überlegungen anzustellen.

Gemäß des Bertramschen Wahns steht indes fest, dass die atomare Bewaffnung jenes Staates, der Israel fortlaufend mit der Vernichtung droht, die mörderischen Feinde Israel ideologisch und finanziell unterstützt und jährlich antisemitische Aufmärsche organisier, „die Sicherheit Israels nicht entscheidend beeinträchtig[t]“. Die naheliegende Frage, was um alles in der Welt denn dann die Sicherheit Israels entscheidend beeinträchtigte, wenn nicht die iranische Bombe, erübrigt sich lediglich deswegen, weil Bertram Israels Sicherheit bekanntermaßen ohnehin nicht als erstrebenswert und zu verteidigen ansieht, sondern Israel als eine Gefährung deutscher Interessen sieht, dass er sich dazu entschlossen hat, fortlaufend jenem Regime zur Seite zu stehen, das sich die Vernichtung des jüdischen Staates auf die Fahnen geschrieben hat.

Crossposted auf Zeitung für Schland.

Eine Antwort to “Entwarnung eines Wahnsinnigen”

  1. Entwarnung eines Wahnsinnigen « Zeitung für Schland Says:

    […] Kommentare Entwarnung eines Wah… zu Was wird geschehen, wenn das i…Entwarnung eines Wah… zu […]


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