Eine Auszeichnung und ihr trauriger Anlass

Die Iraner, die Neda Soltans Tod filmten und das Internet nutzten, um das Video zu verbreiten, bekamen den prestigeträchtigen George Polk Award für Videographie zugesprochen. Es ist das erste Mal, dass die Auszeichnung an eine anonym produzierte Aufnahme ging:

„Wir wissen nicht, wer die Aufnahmen machte oder sie ins Netz stellte, aber wir wissen, dass sie Nachrichtenwert haben“, so John Darnton, Kurator des George Polk Awards. „Dieser Preis würdigt die Tatsache, dass ein mutiger Augenzeuge heute mit der Kamera seines Mobiltelefons Aufnahmen auf Videowebseiten und Sozialen Netzwerken einstellen kann, um Nachrichten zu verbreiten.“

Die NY Times hat einige der couragierten Menschen, die zur Verbreitung des Videos beigetragen hatten, ausfindig gemacht. Es waren Iraner in ihrer Heimat und im Ausland, die E-Mails, Facebook und YouTube verwendeten, bevor die Nachricht von Soltans Tod sich wie ein Lauffeuer verbreitete.

Diese Videos, die eine so große Auswirkung auf die Welt hatten, werden nicht mehr von den Mainstream-Medien produziert, sondern von ganz einfachen Menschen, die – wie in diesem Fall – mit Mobiltelefon und Internetanschluss ausgerüstet waren.

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Crossposting mit Medien BackSpin

4 Antworten to “Eine Auszeichnung und ihr trauriger Anlass”

  1. Shayla Says:

    Sie kämpfen mit Waffen, mit Brutalität, mit Peitschen,mit Messern, mit Kränen…

    Wir kämpfen mit der Technik.

    Wir werden diesen Kampf siegreich beenden!

  2. Patrizia Says:

    Wir müssen das Vermächtnis von Neda lebendig halten. Bei der täglichen Informationsflut laufen wir Gefahr, dass unsere Anliegen sehr schnell in Vergessenheit geraten; etwas das die Mörder und ihre Handlanger anstreben. Durch Aufklärung in der unmittelbaren Umgebung, dem Freundes- und Bekanntenkreis, können vor allem NichtiranerInnen ihre Solidarität gegenüber den Opfern von Folter und Mord demonstrieren und so dem Vergessen entgegenwirken.

    Wir, ich will Gerechtigkeit!

  3. Shayla Says:

    Ich erinnere mich genau, wo ich damals sass, als ich völlig unvorbereitet, Nedas Video zum ersten Mal sah.
    Ich weiss noch, dass ich das Video nicht zu Ende sehen konnte, plötzlich von meinem Stuhl auf der Terrasse aufstand und mich fast übergab. Mir kamen nur so die Tränen, ich fiel fast um vor Ohnmacht. Mein Gehirn konnte so schnell gar nicht erfassen, was meine Augen sahen.
    Ich hatte schon so oft Gewalt im Fernsehen gesehen. Ich hatte seit Jahren mich mit der Gewalt auch im Iran beschäftigt. Und dennoch: Nedas Ableben, der Mord an ihr, der just in diesen Sekunden aufgenommen wurde, gehört zu jenen Bildern, die mich nie wieder losgelassen haben.
    Ich weiss, dass ich selbst mit 80 Jahren, sollte ich noch Leben, dieses Video nicht vergessen werde. Neda war bereits halbtot als sie direkt in die Kamera schaute. Ich kann nicht sagen, wie viele Male ich bereits plötzlich wie starr stehenblieb, weil mir dieses Bild nicht mehr aus dem Kopf ging.

    Ja, Patrizia, auch ich will Gerechtigkeit. Für alle Nedas im Iran – und ich will noch etwas:

    Ich will mein Land zurück!

  4. Patrizia Says:

    Shayla, ich glaube deine Gedanken, deine Empfindungen, deine Trauer und dein Entsetzen sehr gut nachvollziehen zu können. Auch mir ist manche Träne über die Wange gerollt angesichts der Brutalität mit welcher vor allem die jugendlichen Demonstranten niedergeknüppelt wurden. Als Schweizerin fehlt mir zwar der direkte Bezug zum Iran, aber gegen solche faschistischen Terrorregime à la Ahmadinejad sollte es eine europäische/internationale Solidarität aller Hochschulen und Universitäten geben und alle gleichgültig ob StudentIn, wissenschaftliche MitarbeiterIn, DoktorandIn oder ProfessorIn sollten Teil dieser Solidarität sein.
    Uns gehört die Zukunft – gönnen wir den Mördern und ihren europäischen Steigbügelhaltern keine Ruhe, wo auch immer sie ihre faschistische Fratze zeigen … ich werde nichts vergessen … versprochen 🙂


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