Materialien für einen Thrillerplot

Schüsse in einem feinen Haus in der Wiener Innenstadt. Ein Rettungshubschrauber landet vor dem Stephansdom. Ein Toter, zwei Verletzte, der siebzigjährige Täter stellt sich später und bekommt promt einen Herzinfarkt (den er aber überlebt). Und der Boulevard hat seine Schlagzeile:  Killer-Opa mit Herzinfarkt im Spital:

Zuerst schießt der mutmaßliche Täter Samad A. mit einer Pistole des Kalibers 7,62 mm auf Baghaollah W. Das Projektil trifft ihn in die Brust. Sterbend bricht der Mann zusammen. Der Killer feuert weiter. Trifft Jamal P., den Cerag-Geschäftsführer. Er überlebt mit einem Schulterdurchschuss. Asgher A. wird von vier Projektilen in die Brust getroffen. Er schwebt in Lebensgefahr.

Obskur, obskur. Liegt vielleicht wieder einmal ein Hauch „Dritter Mann“ und schmutzige kleine Geschichte à la Eric Ambler in der Wiener Luft?

Die „Vision & Mission“ der Firma CERAG, in deren Räumen die Schiesserei  stattfand, liest sich sich so: Our vision is to become Europe’s prime supplier of infrastructure products and services to Middle East. Finanzierungen, Ölgeschäfte, Chemikalienexport, Bauaufträge im Iran. So sehr die annoncierten Projekte der CERAG sich millionenschwer anhören, so seltsam konturlos und vage bleiben die einzigen konreteren Hinweise. In Assaluyeh there will be built 12.000 lodging units as well as a five star hotel chain. Dieses Assaluyeh liegt nicht irgendwo, sondern ist eine riesig dimensionierte petrochemische Ausbauzone in Zusammenhang mit dem „South Pars“ Gasfeld, dessen Erschließung sich wegen der Sanktionen als immer schwieriger erweist. Hier bündeln sich vitalste Interessen des iranischen Establishments: neue Energievorkommen und Ausbau der eigenen Benzinproduktion, hier hängen die Futtertröge der Revolutionsgarden, hier geht es um Milliarden. Wer wollte dort nicht ein paar nette Hotels bauen?

Iran, Schiesserei, Öl, Wien, verschachtelte Firmen, dubiose  Gestalten & Finanzskandale: ergänzt man also „Revolutionsgarden“ und Sanktionen, dann klingt das doch schon sehr nach Thrillerplot. Oder eben nach Schmierengeschäften der „Islamischen Republik Iran“.

Noch einen Happen: Der mutmaßliche Täter war erst im Jänner bedingt aus der Strafhaft entlassen worden, zu der er verurteilt worden war, weil er 2005 sein Haus in Niederösterreich hatte sprengen lassen. In diesem Zusammenhang könnte auch die Tat in der Weihburggasse zu sehen sein. Zuvor war A. wegen Drogenhandels in großem Stil mehrfach vor Gericht gestanden. Im Februar stellte er in Österreich einen Asylantrag, vermutlich um seine Abschiebung in den Iran zu verhindern.

Noch einen Happen, Radio Zamaneh: The confessions of the assailant indicate that the motive for the murder was revenge for Vossough’s alleged betrayal of him. However, the nature of the relationship between the assailant and the murder victim are not yet clear. […] Vossough was born in a Baha’i family in Iran and studied economics and political science in Vienna. He left Iran after the 1979 Revolution and had been a resident of Austria for many years along with his Viennese wife and child. He was the author of Five Hundred Years of Austria-Persian Relations.

Der Boulevard ermittelt: Iraner-Mord war Mafia-Abrechnung

Fassen wir zusammen: Da ist ein ehemaliger iranischer Professor, 1979 geflüchtet, Bahai, Buchautor, beste Wiener Kontakte, gleichzeitig bei der CERAG involviert, Geld, Öl & Revolutionsgarden, schreibt angeblich ein Buch über einen anderen Iraner (ein Auftragswerk?), der lange Haftstrafen wegen Drogenhandel abgesessen hat, außerdem geht es noch um einen Versicherungsbetrug (das mit Gas in die Luft gesprengte Haus in Niederörsterreich).

Wow. Obskur, obskur, der Telegraph jedenfalls behauptet mehr und ganz anderes zu wissen: Relatives of the dead man were yesterday carrying out funeral services. One blamed the Iranian regime for his death. “There are powerful people behind this but we cannot openly confront them,” they said. “These are ruthless people who are ready to do anything, as they showned by shooting him in the heart.”

Persönliche Tragödie, „Mafiaabrechnung“ oder werden da Geschäftsleute wegen der neuen Sanktionen nervös?

Inspektor Kottan übernehmen sie!


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