Der Fall ist das Gegenteil

Mein Iran Tagebuch: Eine Achterbahnfahrt. Wenn sie zum Halten kommt, steigt man aus und muß sich erst einmal wieder zurechtfinden. Eine Reise, die anders verlief, als wir geplant hatten – und trotzdem eine Reise, die sich in vielfacher Hinsicht geloht hat. Kultur schließt Menschenrechte ein. In Zeiten des Stillstands muß mit kleinen Schritten begonnen werden, Bewegung ins politische Spiel zu bringen.

Diese Prosa stammt von Lukretia Jochimsen, MdB der Linkspartei und Iranreisende.

Geschenkt die Acherbahn, das politische Spiel und all der andere Jargon, der eben zu dieser Partei gehört, wie der der Antisemitismus zum Norman Paech.

Nur der Satz über Kultur und Menschenrechte, den lassen wir nicht durchgehen, weil im Fall des offiziellen Iran schlicht das Gegenteil der Fall ist. Die Kultur der islamischen Republik Iran schließt nicht nur Menschenrechte aus, sie verhöhnt sie Tag für Tag und trampelt auf ihnen herum.

Wer als Kulturreisender in den Iran fährt akzeptiert dies, verkauft sich ohne Not für einen Propagandarummel sondersgleichen, und sollte, wenn er bzw. sie noch einen Funken Anstand im Leib hat, was bei diesen MbBs nicht der Fall zu sein scheint, einfach für die nächsten fünf Jahre über Menschenrechte schweigen.

Schön auch die Bemerkungen zum allerersten Gesprächspartner, den man im Iran trifft, in denen die Dame nur bestätigt, was sLinke heute so unter Kultur verstehen:

Erster Gesprächspartner war der Vorsitzende des Kulturausschusses, Haddad Adel, der eigentlich auch Ausrichter des diesjährigen UNESCO-Welttages der Philosophie in Teheran sein sollte – doch die UNESCO verlegte die Veranstaltung wegen der Einflussnahme der iranischen Regierung nach Paris. Haddad Adel, ein akademischer Philosoph und Kant-Übersetzer, der aber auch Dissidenten die „Kahrisah“ androht, Wegsperren und Folter. Für unseren Besuch findet er zunächst positive Worte, um dann sofort die Haltung Deutschlands und Europas als von Vorurteilen und Klischees gekennzeichnet anzuprangern.

Der Kerl demonstriert da offen, wie ein Vorsitzender des Kulturausschusses im Iran von selbiger hält: Wegsperren und Folter. Und die Dame von der Linken nickt ergriffen, aber auch ein bisschen betroffen – und antwortet, nicht etwa in bezug aufs Foltern, das könnte ja nur zu weiteren Vorurteilen führen:

Wir kontern, dass eine Wiedereröffnung des Goethe-Instituts, ein freier Studentenaustausch, die Vergrößerung der deutschen Schule in einem Neubau helfen würde, diese Vorurteile abzubauen.

Die Vorturteile! Vom Ende des Folterns und Wegsperren ist nicht die Rede, warum auch.

Veröffentlicht in Hintergrund. 4 Comments »

4 Antworten to “Der Fall ist das Gegenteil”

  1. jack Says:

    ich danke ihnen, dass sie diesen satz nicht durchgehen lassen. das ist irrsinn. „kultur schließt menschenrechte ein“. das ist das typische müllgeschwätz. und historisch so uninformiert wie nur irgend was. als ob nicht die höchsten kulturleistungen der menschheitsgeschichte in üblen sklavenhaltergesellschaften erbracht worden seien.

  2. einheitskanzler Says:

    „Haddad Adel, ein akademischer Philosoph und Kant-Übersetzer, der aber auch Dissidenten die „Kahrisah“ androht, Wegsperren und Folter.“

    wieso eigentlich „aber“? dass er kant übersetzt heisst nicht, dass er ihn sich zu eigen macht. das gegenteil ist der fall. siehe otfried höffe in der FAZ: http://tinyurl.com/38uvhkl

  3. Losungswort: Freiheit » Blog Archive » Das Vorurteil des Folterns Says:

    […] Der Fall ist das Gegenteil -von Thomas v. der Osten-Sacken 26-10-2010 […]

  4. Friede unter den Völkern « FREE IRAN NOW! Says:

    […] Jochimsen schreibt munter weiter an ihrem Iran Tagebuch, das so freundlicherweise Einblick gibt, wie der vom Bundestag gesponsorte Dialog mit dem Iran in […]


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