Iranische Anschlagspläne: Die FTD will es besser wissen

Silke Mertins von der Financial Times Deutschland will dem geneigten Leser beibringen, dass in den Machtzentren des Iran ein Kampf zwischen Guten und Bösen ausgebrochen sei. Gewagtes journalistisches Unterfangen, kann man da nur sagen. Oder einfach nur dreist?

Verschwörung: „Iran kann sich keinen Krieg mit den USA leisten“

Hinter dem angeblichen Mordkomplott des Irans gegen den saudischen Botschafter könnte ein Machtkampf im Iran stecken. Experten vermuten eine Verschwörung hinter der Verschwörung.

Der vereitelte Anschlag in Washington geht womöglich auf den Machtkampf im Iran zurück. „So verrückt sich das iranische Regime in seiner Rhetorik auch anhört, so rational und vorsichtig ist es, wenn es um die Wahrung seiner Interessen geht“, sagt der Iran-Experte Meir Javedanfar vom politischen Institut Meepas in Tel Aviv. „Iran weiß, dass es sich keinen Krieg mit den USA leisten kann.“ Wenn das stimmt, dann kann es nicht sein, dass die Führung in Teheran von dem vereitelten Attentat auf den saudischen Botschafter in Washington gewusst, geschweige denn, es geplant hat.

Schon unmittelbar nach der Enthüllung hatten sich viele Experten gefragt, warum ein Regime, das bisher immer mit großem Geschick vorgegangen ist und meisterhaft seine Spuren zu verwischen weiß, einen ältlichen Gebrauchtwagenhändler für eine Verschwörung einsetzen sollte, von der es eigentlich nicht profitiert.

Eine Erklärung, die Sinn ergeben würde: Hinter dem Komplott steckt ein weiteres Komplott. Die iranische Führung ist kein einheitlicher Block. Die Theokratie mit ihren semi-demokratischen Elementen besteht aus verschiedenen Machtzentren, zwischen denen ein erbitterter Kampf ausgebrochen ist: dem obersten geistigen Führer, Ali Chamenei, dem Klerus und Präsident Mahmud Ahmadinedschad.

Spitzen in Teheran unwissend?

Wahrscheinlich ist deshalb, dass eine dieser einzelnen Interessensgruppen – Alex Vatanka vom Middle East Institute in Washington nennt sie „Schurkenelemente“ – den Anschlag in den USA angezettelt hat. Und zwar ohne dass die Spitzen im Staate konkret davon wussten.

 

Ohnehin ist die iranische Politik eine Schlangengrube, ein unübersichtliches Geflecht aus Intrigen, ein Kampf um Macht und Ressourcen. Ahmadinedschad ist lange Zög- und Schützling von Revolutionsführer Chamenei gewesen. Ohne Chamenei hätte er eine zweite Amtszeit nach dem mutmaßlichen Wahlbetrug vom Juni 2009 nicht erreicht. Doch schon bald nach seiner Vereidigung ist der Liebling des übermächtigen Ajatollahs aufmüpfig geworden.

Es fing damit an, dass er Chamenei nicht die fünf Ministerien überlassen wollte, die dieser üblicherweise mit seinen Leuten bestückt. Aus den Äußerungen des Präsidenten und seiner Gefolgsleute wurde auch zunehmend deutlich, dass er eine Machtverschiebung zu Lasten des Klerus und des geistigen Führers anstrebt.

Teil 2: „Schon seit 2009 gibt es viele Risse im System“

Quelle: FTD

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