Beihilfe zum Mord

Vor genau einer Woche, am 27. Januar, dem Tag Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, wurde einmal mehr der Holocaust-Opfer gedacht. Deutschland ist nun einmal nicht nur „Weltmeister der Herzen“, sondern auch Weltmeister im Judenmord plus anschließender Vergangenheitsbewältigung. Auf den Seiten des Auswärtigen Amtes war entsprechend einmal mehr von den „Lehren der Vergangenheit“ die Rede. Und Bundesaußenminister Guido Westerwelle verkündete, Deutschland habe „alles zu tun, damit sich ein derartiges Verbrechen niemals wiederholen kann.“

Lässt sich daraus ableiten, dass Deutschland Israel in einem möglicherweise in naher Zukunft anstehenden Krieg gegen die „Islamische Republik“ Iran zur Seite stünde? Weit gefehlt, denn es gibt etwas, das man in Deutschland noch mehr fürchtet als einen zweiten Holocaust – und zwar von Juden ergriffene Maßnahmen, einen ebensolchen zu verhindern, notfalls auch mit Gewalt. Einer der Gründe hierfür ist, dass eben nicht die Sicherheit Israels deutsche Staatsräson ist, sondern bedingungsloser Pazifismus und die Beschwichtigung von Islamisten.

Exemplarisch für diese Haltung steht Ulrich Ladurner, der heute auf Seiten der ZEIT  laut über eine „Alternative zum Krieg mit dem Iran“ nachdenkt. Ladurners Ausgangspunkt ist die Frage, warum Iran denn überhaupt an Nuklearwaffen interessiert sei. Er nennt zwei Gründe:

Erstens wolle sich das Regime „gegen jeden Angriff absichern“, sich also mittels einer Atombombe gegen „militärische Interventionen“ immunisieren. Somit sei der Wille zur Bombe „Ausdruck von Unsicherheit und damit eher defensiver Natur“. Zweitens wolle das  Regime die Bombe, um „eine hegemoniale Stellung in der Region zu erreichen“. Dies wäre dann „Ausdruck eines Strebens nach regionaler Vorherrschaft und damit offensiver Natur“. Ladurner schlussfolgert, dass die iranische Bombe nur durch die Beseitigung beider Gründe verhindert werden könne. Daher gelte es, diese Gründe „zunächst einmal [zu] sortieren“.

Iran habe, so Ladurner, „ganz gewiss“ und „schon seit Jahrzehnten“ Grund, sich bedroht zu fühlen. Insbesondere sei die „Islamische Republik“ von den USA „nie akzeptiert worden“,  ja ein „Regimewechsel in Teheran“ sei gar ein „altes Ziel“ der Amerikaner. Diese Darstellung ist derart offensichtlich ideologisch verblendet, dass jede an Fakten orientierte Widerlegung unweigerlich ins Leere läuft. Und trotzdem, in aller Kürze: Iran – und nicht die USA – hat 1979 Geiseln genommen. Iran – nicht etwa die USA – plante im vergangenen Jahr einen Anschlag auf Botschaften. Iran – nicht die USA – finanziert und organisiert seit drei Jahrzehnten Terroranschläge auf der ganzen Welt. Die „Islamische Republik“ – und nein, nicht etwa die USA – basiert auf einer radikal anti-amerikanischen, anti-westlichen und anti-semitischen Ideologie. Und – zu guter Letzt – trotz all dieser Tatsachen ist „Regime Change“ keinesfalls jahrzehntelanges Ziel amerikanischer Außenpolitik. Ganz im Gegenteil hat sich US-Präsident Obama noch Anfang 2009 intensiv um die Gunst der Teheraner Führung bemüht.

All dies kann Ladurner nicht nur wissen, er muss es wissen – und eben darum will er es nicht wissen. Die „Islamische Republik Iran“ habe, so Ladurners Narrativ, „in den Augen des Westens“ schlicht keine „Existenzberechtigung“. Und deshalb gäbe es innerhalb des Regimes eine „Fraktion“, die sich mittels der Bombe gegen ein „feindliches Umfeld“ immunisieren wolle. Viel wichtiger ist Ladurner aber ohnehin die vermeintliche Existenz einer zweiten Fraktion innerhalb des Regimes. Diese zweite Fraktion sei, so Ladurner, „vielleicht“ (!) dazu bereit, einzulenken. Dies könne sie aber nur „unter bestimmten Bedingungen“, denn Iran müsse „für eine Abkehr von seiner dubiosen Atompolitik etwas bekommen“. Nämlich:

Dieses Etwas sind zum Beispiel Sicherheitsgarantien in Form eines Nichtangriffsangebots für die Islamische Republik Iran.

„Ohne Worte“ steht unter manch einem Bildwitz. Und auch hier ist eigentlich jedes Wort eines zu viel. Wer ernsthaft vorschlägt, das Elend freiheitlich gesinnter Menschen im Iran durch westliche Sicherheitsgarantien für die Islamfaschisten zu zementieren, verdient nicht einmal eine Erwiderung.

Doch wenn eine Woche nach dem 67. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in der größten deutschen Zeitung zu lesen ist, dass man den Möchtegern-Nachfolgern der Nazis „Sicherheitsgarantien“ geben sollte, dann darf nicht geschwiegen werden. Ulrich Ladurner spielt dieser Tage – stellvertretend für Politik und Medien in Deutschland – mit der Vernichtung des Staates Israel und somit fast der Hälfte der Juden weltweit. Auf die in einigen Jahren dann zum zweiten Male absolvierte Vergangenheitsbewältigung darf man getrost gespannt sein.

Cross-posted auf Spirit of Entebbe.

Veröffentlicht in News. 1 Comment »

Eine Antwort to “Beihilfe zum Mord”

  1. Frank Nettelbeck Says:

    Oh Mann, wie kann man nur so kriegsgeil sein. Gehen sie nach Teheran und kämpfen sie mit den Iraner, aber treibren sie nicht die Welt in einen Dritten Weltkrieg. Die Dummheit und Naivität des Autors ist einfach grenzenlos.


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