Jetzt aber wirklich!

Kaum winkt das Teheraner Mörderregime mit dem Zuckerbrot „Verhandlungsbereitschaft“, schon tapsen ihm deutsche Qualitätsjournalisten brav hinterher, allen voran Andrea Nüsse in der ZEIT, die sich ganz doll freut:

Der Westen könnte das nutzen, um sich einmal wirklich auf das Regime einzulassen.

Na klar, so sieht vorbildliche Außenpolitik demokratischer Staaten aus: Sich „wirklich“ auf eine brutale Diktatur einlassen.

In der ZEIT macht man sich ernsthafte Sorgen um das unverstandene iranischen Regime, das „monatelange Drohungen“ der israelischen und amerikanischen Regierungen über sich ergehen lassen musste, ganz ohne Rücksicht auf die tiefsitzenden Traumatisierungen iranischer Politiker durch die grausamen Wechselfälle der persischen Geschichte:

Vielmehr ist die Psyche der iranischen Führung geprägt von den historischen Erfahrungen regelmäßiger Invasionen von außen – von den Mongolen über die Briten und Sowjets bis hin zum Angriff des benachbarten Irak 1980.

Da kann eine Gesprächstherapie mit verständnisvollen westlichen Diplomaten doch vielleicht Abhilfe schaffen. Außerdem ist während der Dauer der Gespräche die Gefahr gebannt, dass „Israel mit oder ohne amerikanische Unterstützung den Iran angreift“. Dumm nur, dass die Gefahr, dass Iran unterdessen seine Atombombe fertigbastelt dadurch nicht geringer wird. Aber was macht das schon, seit Grass wissen wir ja wer den Weltfrieden bedroht, und die Mullahs sind es auf keine Fall wie Friedensforscherin Nüsse feststellt, denn

Allgemein gibt es wenig Anzeichen dafür, dass der Iran sich weniger pragmatisch oder kriegstreiberischer verhalten sollte, wenn er die Bombe in Händen hätte. Wann hat der Iran das letzte Mal eine militärische Auseinandersetzung angezettelt?

„Pragmatisch“? Ist das seit Neuestem ein Synonym für das Aufhängen von Homosexuellen, dass Steinigen von Ehebrecherinnen und das Foltern, Vergewaltigen und Ermorden von Dissidenten?

Und was das Anzetteln von Kriegen angeht: Die Hizbollah führt auf Geheiß des Regimes seit den 80er Jahren Krieg gegen Israel, ansonsten können sich palästinensische Terroristen und der Schlächter Assad über iranische Unterstützung freuen. Aber unter Antizionisten zählt sowas vermutlich als Friedensarbeit.

Wer jetzt denkt, dreister könne man Fakten nicht verdrehen, der unterschätzt Mullahgroupie Nüsse: Das israelische Atomprogramm dürfe – Grass sei Dank – „kein Tabu“ mehr sein, ja mehr noch:

Das ist sich der Westen schuldig, wenn er seine eigenen Maßstäbe ernst nimmt.

Nun, wenn der Westen seine Maßstäbe ernst nehmen würde, dann würde er holocaustleugnende Massenmörder wie Ahmadinedschad noch nicht einmal mit der Kneifzange anfassen und die einzige Demokratie im Nahen Osten vorbehaltlos bei ihrem Existenzkampf unterstützen. Und wenn deutsche Journalisten ihre Maßstäbe ernst nehmen würden, dann würden sie solchen Verbrechern nicht unkritisch in den Hintern kriechen, sondern sich für ihre verfolgten iranischen Kollegen einsetzen.

Das alles ficht Hobbypsychologin Nüsse nicht an, die sich mehr Einfühlungsvermögen für die schiitischen Klerikalfaschisten wünscht:

Mit kühler Analyse und etwas Empathie für die psychologische Verfasstheit des Landes kann es vielleicht gelingen, den Iran so einzubinden, dass die Gefahr unkontrollierter Entwicklung gebannt wird.

Nur wer moralischen Indifferenz mit Empathie verwechselt und naives Wunschdenken mit kühler Analyse kann so einen Stuss zusammenschreiben. Leider waren das immer schon die besten Voraussetzungen, um in den deutschen Qualitätsmedien über den Nahen Osten berichten zu dürfen.

Crossposted auf FdoG

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