Demonstrationsbeitrag aus Würzburg

Rede von Arash Dosthossein am 12.05.2012

Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.“ (Berthold Brecht)

Da ich verschwiegen habe, dass ich fünf Jahre lang in der Türkei von der UNHCR Asyl begehrt habe, hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge meinen Asylantrag abgelehnt. Ja, mein Asylbegehren in der Türkei wurde von der UNHCR abgelehnt, weil ich dieses als Kommunist und Gegner der Islamischen Republik Iran gestellt habe. Diese Erfahrung wollte ich in Deutschland nicht wieder machen. Also habe ich diese fünf Jahre in der Türkei verschwiegen. Sogar dass ich Kommunist bin, habe ich vorenthalten.

Ich, Arash Dosthossein, bin Kommunist, Verfasser politischer Weblogs und Atheist. Ich bin ein Gegner der Islamischen Repubilk Iran. Meine Verteidigung schreibe und sende ich der deutschen Regierung zu. In der Hoffnung, dass sie nicht wie die UNHCR entgegen der Menschenrechte und zugunsten der Islamischen Republik entscheidet, erwarte ich eine Antwort der deutschen Regierung.

In meiner Ablehnung wurde behauptet, meine Teilnahme am Streik in Würzburg habe lediglich den Zweck gehabt, Nachfluchtgründe zu schaffen. Aber die Islamische Republik spricht die Todesstrafe für ihre Gegner auch außerhalb ihrer Grenzen aus. Ich bin als professioneller politischer Blogger, der all seine Veröffentlichungen namentlich unterzeichnet, nicht darauf angewiesen, Nachfluchtgründe zu erfinden. Meine Teilnahme am Streik in Würzburg als politischer Aktivist kommunistischer Gesinnung bringt meine volle Ablehnung gegenüber dem islamischen Regime zum Ausdruck, und zwar in einem Land, von dem ich glaube, dass es Meinungs- und Glaubensfreiheit respektiert. Ebenso handelt es sich um Kritik an der deutschen Asylpolitik, die menschenrechtswidrig ist.

In der Ablehnung meines Asylantrags stand geschrieben: wäre mir mein Asyl wichtig, wäre ich in der Unterkunft geblieben und hätte die Entscheidung abgewartet. Nein! Denn ich lehne die Residenzpflicht ab! Ich bin kein Tier, das im 21. Jahrhundert in einem freien Europa, das die Renaissance hinter sich gelassen hat, eine unsichtbare Kette um den Hals erträgt und sich vorschreiben lässt, wie und wohin es sich bewegen darf. Ich lehne das Leben im Asylbewerberheim mit Essensrationen und einem 6 m² großen Zimmer, das keinerlei Unterschied zu den Gefängniszellen im Iran hat, ab! Ich lehne es ab, Asylbewerber unter Quarantäne zu stellen und von der Gesellschaft zu isolieren.

Kein Mensch ist illegal! Aber als Asylbewerber wird das Menschsein an ein Dokument geknüpft. Mit diesem Blatt Papier wird aus ihm im Herzen eines Europas des 21. Jahrhunderts ein Bürger zweiter Klasse.

Habt ihr mit mir Tag und Nacht auf der Straße verbracht oder mit diesem Blatt Papier?

Habt ihr mit mir euer Essen geteilt oder mit diesem Blatt Papier?

Habt ihr mit mir Freud und Leid erfahren, geweint und gelacht, oder mit diesem Blatt Papier?

Habt ihr um Trost zu spenden mich in die Arme genommen oder dieses Blatt Papier?

Mein Menschsein bin ich durch mich und nicht durch dieses Dokument.

Ich bin die Stimme Mohammad Rahsepars. Die menschenunwürdige Situation von Asylbewerbern in Deutschland hat ihn in den Selbstmord getrieben.

Ich bin die Stimme aller Asylbewerber, die aus Angst vor negativen Einfluss auf ihr Asylverfahren nicht mal in unsere Nähe kommen.

Ich bin die Stimme aller Isolierten in den Asylbewerberheimen, die gezwungen sind, die menschenunwürdige Situation in der GU zu ertragen.

Aber ich bringe mich nicht um und ich ertrage die menschenrechtsverletzende Situation von Asylbewerbern nicht länger! Ich fordere, dass sich der Umgang mit Asylbewerbern ändert!

„Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt drauf an, sie zu verändern“ (Karl Marx)

Zum Schluss: Die Verurteilung des iranischen Sängers und Künstlers Shahin Najafi zum Tode verurteile ich zutiefst. Ich spreche ihm meine Solidarität aus und fordere die deutsche Regierung – zur Verteidigung der Menschenrechte und als Kritik an einer Regierung, die die Todesstrafe für Menschen über ihre Grenzen hinaus verhängt – auf, ihre diplomatischen und politischen Beziehungen mit dem Iran einzustellen, den iranischen Botschafter des Landes zu verweisen und die iranische Schreckensherrschaft zu boykottieren.

.

Veröffentlicht in Hintergrund. Leave a Comment »

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: