Drohungen, Drohungen, Wahn

Manchmal wacht Mahmoud morgens auf und streckt sich knackend aus. Danach sagt er sich: Ich bin doch der Führer der fast schon mächtigsten Supermacht aller Zeiten, wem könnte ich denn heute mal drohen?

Nun, gestern waren die Russen dran, die müssen für ihre potentielle Zustimmung zu dem neuen Sanktionsentwurf büßen; und ihre Luftabwehrrakten haben sie auch immer noch nicht geliefert. Vielleicht hat ein Berater Mahmoud allerdings schnell zugeflüstert, daß es eigentlich gar nichts gibt, womit der Iran den Russen drohen könnte; und außerdem seien sie doch gewissermaßen Verbündete, die man womöglich noch brauche, man habe so wenige davon: Jedenfalls ahnt Mahmoud, daß der Russe dann doch nicht so ein schreckhaftes und willfähriges Weichei wie der Westeuropäer ist, also darf der Russe es sich auch noch einmal überlegen. Wie Mahmoud überhaupt der Welt noch einmal eine Chance gibt.  Aber es ist die letzte, sagt er.

Iranian President Mahmoud Ahmadinejad has warned that Russia’s stance against the Tehran declaration could turn it into an „enemy“ of the Iranian nation.
„Russian leaders should not create a situation that makes Iranian people place Russia in the ranks of their historic enemies,“ Ahmadinejad said in a speech in Kerman on Wednesday.
His comments came in response to Russia’s decision to back a US-proposed UN Security Council resolution against Iran.

„Today, it has become difficult for us to explain [Russian President Dmitry] Medvedev’s behavior to the Iranian nation. The [Iranian] people don’t know whether they [Russian officials] are our friends or are after something else,“ the Fars news agency quoted Ahmadinejad as saying.
„If I were the Russian president, when taking decisions on subjects related to the great Iranian nation, I would think things through more,“ he said.
The Iranian president also warned the US to be careful not to miss the opportunity offered by the Tehran nuclear swap declaration.

Ahmadinejad said the declaration brokered by Turkey and Brazil could be the last chance to get things right.

via Press TV

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Mal wieder ein Brief

Ahmadinedschad hat offenbar einen Brief an US-Präsident Obama verfasst:

Ahmadinejad mentioned the letter in an interview on Iranian television Tuesday, as reported by the Iranian IRNA news agency.

“I have written a letter to Obama which will be published soon,” Ahmadinejad said.

“Obama has only one way to remain in power and be successful,“ he said. „This way is Iran. Obama should start cooperation with Iran in practice.”

Was heißt hier eigentlich „should start“? Ansonsten gibt sich Ahmadinedschad versöhnungsbereit:

Iran doesn’t need the U.S. „to do anything for us to come out of isolation,“ he said, „Rather we want to help you come out of isolation.”

Trägt Obamas Politik Früchte? Es sieht so aus, lesen sich Ahmadinedschads weitere Worte doch, als seien sie aus einer von Obamas zahllosen Reden abgeschrieben:

The „nuclear issue is actually an excuse,“ he continued. The „U.S. has two options. Either to continue this wrong policy, or to cooperate with Iran. Cooperation is of course better for both of us.”

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Assessing Ahmadinedjad’s Closed Circle

„Tell me who your friends are, and I will tell you who you are,“ the saying goes and Iranian President Mahmoud Ahmadinejad’s second cabinet surely says a good deal about who he is. Ahmadinejad presented his 21-minister cabinet to parliament in two rounds: 20 August 2009, where 18 of his cabinet candidates gained a parliamentary vote of confidence thanks to Supreme Leader Ayatollah Ali Khamenei’s intervention, and on 15 November 2009 where the cabinet was completed. In addition, since the 12 June election, Ahmadinejad has appointed 14 vice-presidents and advisers by presidential decree, bringing his immediate network up to 35, as reported by the Iranian presidency’s website.

Ali Alfoneh legt im Jane’s Islamic Affairs Analyst die Vor- und Nachteile von Ahmadinedschads engem Netzwerk dar und spekuliert über mögliche mittel- und langfristige Folgen von Ahmadinedschads Klüngeleien.

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Ahmadinedschad prophezeit den „Untergang“ Israels

Wahied Wahdat-Hagh über den neusten „Übersetzungsfehler“:

Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinedschad verschickte eine Botschaft an die libanesische Hisbollah und griff Israel scharf an. Laut der iranischen Zeitung Kayhan vom 20. Januar 2010 ist Mahmud Ahmadinedschad der Meinung, dass das „zionistische Regime sich in der Periode seines Falls und seines Untergangs“ befindet.

Dabei benutzte Ahmadinejad die Begriffe „Soqut“ und „Uful“. Soqut kann als „Fall“ und als „Vernichtung“ übersetzt werden. „Uful“ heißt „Untergang“. Der iranische Präsident attackierte damit Israel und bezog sich auf den Goldstone-Report. Ahmadinedschad sagte auch: „Es gibt die Hoffnung, dass wir in Zukunft Zeugen von größeren Siegen der größten Mujahedin (Kämpfer) auf dem Wege Gottes sind.“ Einen solchen Sieg machte der iranische Präsident davon abhängig, in wieweit die islamischen und arabischen Staaten die „Volkskämpfe“ der Hisbollah gegen „Aggressoren und Besatzern“ verteidigen und unterstützen. [Weiterlesen…]

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Ein bedrohtes Bollwerk

Die junge Welt hatte sich mit ihrer – in der Regel regimetreuen – Iranberichterstattung seit den sogenannten »Wahlen« meist recht bedeckt gehalten: ein islamisches Regime, das elementarste Menschenrechte missachtet und sich nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann, lässt sich schließlich nicht so einfach verteidigen.

In seinem heutigen Kommentar bedauert jW-Redakteur Werner Pirker denn auch das aus seiner Sicht schon absehbare Ende des iranischen Regimes – und beschreibt nachgerade schonungslos, warum sich dieses mancherorts solch erstaunlicher Beliebtheit erfreut. So sei die Führungsriege, die jede abweichende und damit unerwünschte Meinungsäußerung rücksichtslos unterdrückt »im wesentlichen sozial und antiimperialistisch orientiert«, mithin also nicht nur ein Fels in der Brandung niederer imperialistischer Interessen, sondern auch und vor allem für die Menschen da. Entsprechend sei der Staatspräsident, der sie repräsentiere »der Hoffnungsträger des kleinen Mannes, weil er dem Unmut der breiten Masse gegen den korrupten Klerus Ausdruck verlieh« – er trete »für eine breitere Verteilung« der Öleinnahmen ein und verkörpere somit »die populistische Herausforderung der kapitalistischen Oligarchie«: quasi der wiedergeborene Che Guevara.

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Mahdismus und das iranische Atomprogramm

Wahied Wahdat-Hagh über die messianische Ideologie Ahmadinedschads und seiner Glaubensbrüder:

Die Urananreicherung und das Atomprogramm dienen nach dem Verständnis von Präsident Ahmadinejad und seinem Mentor Ayatollah Mesbahe Yazdi der Beschleunigung der Rückkehr des in der Mitte des 10. Jahrhunderts verschwundenen zwölften Imam der schiitischen Muslime. Der zwölfte Imam, Mahdi, ist theologisch eine messianische Gestalt wie sie in allen monotheistischen Weltreligionen vorkommt und deren Rückkehr erwartet wird. In der khomeinistischen Interpretation des Islam muss der Klerus solange herrschen bis der Messias erschienen ist. Und in der Interpretation von Ayatollah Mesbahe Yazdi, un-geistiger Mentor des Präsidenten Ahmadinejad, kann dieser Prozess beschleunigt werden. In einer Schlacht gegen die ungläubige Welt soll dann die Islamisierung der Welt erfolgen.

Ahmadinejad legitimiert das iranische Atomprogramm vor dem Hintergrund einer solchen schiitischen Mythologie: Deswegen verfolgen die khomeinistischen Machthaber im Iran nicht nur das Ziel der totalen Kontrolle über die eigene Gesellschaft, sondern gleichzeitig das ideologische Ziel der Islamisierung der Welt. Denn nach der schiitischen Vorstellung tritt Frieden nur unter islamischer Herrschaft ein.
Vor diesem Hintergrund glaubt Ahmadinejad tatsächlich, dass die US-amerikanische Regierung die Rückkehr eines 12. Imam verhindern will, denn sie befürwortet ja keine islamische Herrschaft, sondern verfolgt die Durchsetzung menschenrechtlicher und rechtsstaatlicher Normen . Gegen eine solche demokratische Perspektive sind alle Islamisten, ob Anhänger von Ahmadinejad oder Anhänger des nicht mehr regierenden Ex-Präsidenten Khatami. Denn die islamistische Perspektive ist die Durchsetzung einer reinen islamischen Herrschaft, die auf unterschiedlichen Wegen erreicht werden kann.
Anhänger aller Schattierungen des Khomeinismus verfechten eine „göttliche Gerechtigkeit“, die nur mit der Durchsetzung der anachronistischen islamischen Strafgesetzgebung mit staatlichen Mitteln erreicht werden kann.
Daher ist auch der antiimperialistische Kampf gegen die USA, an der Spitze der gesamten westlichen Welt nur unter der Fahne des Ayatollah Khomeini und des 12. Imam möglich.
Ayatollah Mesbahe Yazdi und Präsident Ahmadinejad gehen vom festen Glauben aus, dass die Welt sich in dieser messianischen Phase befindet. Dies ist die schiitische Variante eines apokalyptischen Denkens, das die paramilitärischen Unterdrückungsorgane der Bassiji und der Revolutionsgardisten nicht als Instrumente einer totalitären Herrschaft, sondern als „heilige Institutionen“ versteht.
Daher ist die „mahdistische Gesellschaft“, von der Präsident Ahmadinejad spricht, die totalitäre „Utopie“ aller schiitischen Islamisten. [Weiterlesen…]

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Mahmud und die Caudillos

Stephan Grigat im Standard über die iranische Bündnispolitik in Lateinamerika und den (wiederholten) Verrat der Linken an den eigenen Idealen:

Der iranische Präsident verreist gerne. Die vom Revolutionsführer Ajatollah Khomeini unmissverständlich formulierten globalen Ambitionen der iranischen Revolution übersetzt Ahmadi-Nejadheute in eine gleichermaßen pragmatische wie ideologisch motivierte und leider auch einigermaßen erfolgreiche Bündnispolitik. Derzeit hält er sich in Lateinamerika auf, um bei Brasiliens Präsident Lula da Silva vorstellig zu werden, Boliviens Evo Morales zu besuchen und seinem engen Vertrauten Hugo Chavez in Venezuela eine Visite abzustatten.

Die neuen Helden der lateinamerikanischen Linken stehen an vorderster Front einer Art Solidaritätsbewegung mit dem iranischen Regime. In den vergangenen Jahren war Ahmadi-Nejad zu der Amtseinführung Daniel Ortegas und des ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa geladen. Die Ex-Sandinisten in Nicaragua haben zahlreiche Kooperationsabkommen mit der islamischen Diktatur geschlossen. Bolivien erhielt von Ahmadi-Nejad das Versprechen, den verarmten Andenstaat mit Milliardeninvestitionen zu unterstützen. Fidel Castro beschwor stets das antiimperialistische Bündnis mit den Mullahs und hinterlässt seinen Nachfolgern eine enge Allianz mit dem iranischen Regime: „Gemeinsam können Iran und Kuba Amerika in die Knie zwingen!“ Kein Wunder, dass auch einer der populärsten Unterstützer Castros nicht zurückstehen wollte: Schon vor zwei Jahren ließ Diego Maradona den iranischen Chefdiplomaten in Buenos Aires wissen: „Ich will Ahmadi-Nejad treffen!“ [Weiterlesen…]