Mehr Dialog!

Natürlich hat das nach Teheran fahren und das Regime bekatzbuckeln – diesmal eines Staatssekretärs – für die deutschen Staatsgeiseln wieder nichts gebracht. Wie denn auch?

Immerhin „traut“ man sich nun selbst bei ihrem Arbeitgeber die Namen der beiden Staatsgeiseln  zu nennen. Was umso bizarrer ist, da die iranische Propaganda die beiden Reporter der Bildzeitung, Marcus Hellwig und Jens Koch,  schließlich schon längst über Fernsehbildschirme gezerrt und sogar Bilder von ihren Pässen veröffentlicht hat.

Bild: Im Auftrag von Außenminister Guido Westerwelle reiste vergangene Woche Staatssekretär Wolf-Ruthart Born nach Teheran, um den Fall der beiden Journalisten einer Lösung näher zu bringen. Offenkundig brachte die Reise nicht den erhofften Durchbruch. Westerwelle-Sprecher Andreas Peschke gestern zu BILD am SONNTAG: „Wir setzen uns mit unvermindertem Nachdruck dafür ein, dass unsere beiden Landsleute so rasch wie möglich nach Hause zurückkehren können.“

[…] Unterdessen bemüht sich die Bundesregierung weiter um einen erneuten Besuch von Hellwig und Koch in der Haft. Seit ihrer Verhaftung während eines Interviews mit dem Sohn der zum Tode verurteilten Iranerin Sakine Aschtiani am 10. Oktober in Täbris wurden sie bislang dreimal von Diplomaten in der Haft besucht. Außerdem durften sie unmittelbar nach Weihnachten Angehörige in einem Hotel treffen.

SM auf dem West-östlichen Divan

Die Beziehungen der Bundesrepublik zur „Islamischen Republik Iran“ sind traditionell beispielhaft gut und harmonisch. Zwei deutsche Reporter in staatlicher iranischer Geiselhaft sind der aktuelle Lebendbeweis dieser Tatsache. Kaum war im November die jüngste deutsche Parlamentarierdelegation auf der Rückreise aus Teheran, da führte man die beiden Deutschen entgegen aller internationalen Normen im iranischen Fernsehen als Beutestücke vor. Gestört hat das in Deutschland niemanden so wirklich, zumal die deutschen Exportziffern in den Iran auf wundersame Weise trotz verschärfter Sanktionen wachsen und wachsen. Und damit ist beiden Seiten schließlich Genüge getan; man wird das politische Verhältnis der Bundesrepublik zum Iran durchaus als SM-Praktik beschreiben dürfen. Zuckerbrot und Peitsche, propagandistische Erniedrigung und begierig aufgesogene leere Versprechungen, die Machthaber in Teheran wissen, was sie an ihren deutschen Partnern haben, als Bezahlung werden deutsche Maschinen geordert.

Und schon wurde das nächste Fest einer unverbrüchlichen Freundschaft gefeiert; am 3. Dezember lud die iranische Botschaft in Berlin zum ersten Hafis-Symposion, am Tag zuvor hatte die Hafis-Gesellschaft in Hamburg ein Seminar unter dem Titel Hafis und Goethe – Dichterische Geistesverwandtschaft als Symbol für Völkerverständigung und Toleranz veranstaltet. Hauptredner hier wie da vor viel akademischer Professorenwürde, der iranische Botschafter in Berlin, Sheikh Attar, sowie der eigens aus Teheran angereiste Esfandiar Rahim Mashaie, Chef der Präsidialverwaltung Ahmedinejads und Hauptberater des ihm anverwandten iranischen Präsidenten. Den Rest des Beitrags lesen »

So stille deutsche Diplomatie, daß die Machthaber in Teheran sie vielleicht gar nicht hören können?

Iranisches Propagandabild vom Reisepass Marcus Hellwigs

Das elende Schachern um die zwei deutschen  Staatsgeiseln im Iran geht weiter – wohlgemerkt geht es dabei bisher nur um die eigentlich selbstverständliche Regelung, daß die beiden verhafteten Reporter Besuch von Familienangehörigen bekommen können. Aber was ist schon normal in der „Islamischen Republik Iran“ und ihrer „Justiz“? Und wieviel Vertrauen setzt man in eine Bundesregierung, die öffentlich die längste Zeit schweigt und höchstens einmal leise bittet, aber damit bei den Machthabern in Teheran nur öffentlich geäußerten Hohn erntet?

Nachdem nun auch das irritierende  fast-Totschweigen der Inhaftierung der beiden Bild-Reporter in der deutschen Medienlandschaft und demütige Appelle selbst der Altbundespräsidenten an den Iran nichts gebracht haben, und nicht einmal die in einem Gefälligkeitsinterview der FAZ von dem Ahmedinejad-Intimus Esfandiar Rahim-Mashai  groß angekündigte Besuchsmöglichkeit an Weihnachten stattgefunden hat, soll der deutsche Außenminister nun etwas energischer geworden sein. Der iranische Botschafter in Berlin sei einbestellt worden, gab das Außenministerium bekannt, nachdem man die beiden Angehörigen der Reporter inklusive des deutschen Botschafters, der die Angehörigen aus Deutschland begleitet hatte, in Teheran über die Feiertage demütigend und zermürbend im Ungewissen hatte herumsitzen lassen.

Mittlerweile soll der Besuch in Täbris stattgefunden haben. dpa/Die Welt meldet, Außenminister Guido Westerwelle danke seinem iranischen Amtskollegen für seine Unterstützung. Die Bundesregierung dränge weiter auf die baldige Rückkehr der beiden Männer nach Deutschland. Das endlich wird das Teheraner Regime bestimmt nachdenklich machen. 

So sehen also die Erfolge der stillen deutschen Diplomatie aus. Und dabei geht es wohlgemerkt nur um eine Besuchsmöglichkeit für die beiden deutschen Journalisten, deren einziges Vergehen darin besteht, mit einem Touristenvisa in den Iran gekommen zu sein. Ein Journalistenvisum hätten sie allerdings für den Iran, der zur Spitzengruppe der Länder gehört, die Journalisten verfolgen, auch kaum erhalten.

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Hofberichterstattung vom Pfauenthron

Iran zeiht Amerika der Lüge.

Die Schlagzeile hat wirklich Neuigkeitswert. So hat die FAZ am 2. Advent getitelt. Aber in Zeiten der Bolognabildungsreform wird man wohl auch nicht mehr automatisch davon ausgehen können, daß irgendwer in so einer Zeitung das historische Gedächtnis besitzt, um sich vage daran zu erinnern, daß es sozusagen ein Wesensmerkmal der Islamischen Republik darstellt, zu behaupten, daß Amerika lügt. Und zwar täglich und das seit 1979.

Mal wieder so eine Sternstunde des deutschen Journalismus. Die FAZ-Sonntagszeitung hat also Esfandiar Rahim-Mashai, den Intimus von Ahmedinejad, interviewt.  Und man gibt ihm brav die Stichworte vor, zu denen er sich ganz freundlich und gewandt gerne äußert, kein Nachfragen, nichts Unangenehmes wird angesprochen, ja der egomanische Selbstdarsteller Mashai darf noch kokett die Frage offen lassen, ob er Nachfolger von Ahmedinejad werden könnte.

Im Jahr 2013 geht die zweite Amtszeit des Präsidenten zu Ende, er darf nach der Verfassung nicht noch einmal kandidieren. Wird es dann in Iran ein Tandem nach dem russischen Vorbild von Putin und Medwedjew geben?

Nein, das ist nicht ironisch gemeint. Die Interviewerin fragt ihre netten Fragen so, als wolle sie sich um ein Praktikum beim Iranischen Staatsrundfunk bewerben. Den Rest des Beitrags lesen »

Aus dem Politikunterricht

Aufgabe:

Ordnen sie folgende Klassifizierungen vier Politikern zu.

– zwei Schleimbeutel, die es mit „Kultur“ haben

-ein Mann der allerbedeutensten Worte, die nie jemandem interessiert haben, ihn selbst auch nicht

– jemand, der tatsächlich vom Begriff des Politischen eine Vorstellung besitzt und eine aufrechte Haltung vertritt

Hier geht es zum Aufgabentext

Das deutsch-iranische Verhältnis als SM-Praktik

Als Dank für die jüngste schleimige Visite von deutschen Parlamentariern in Teheran hat das Regime also wieder mal nachgetreten, und seine deutschen Staatsgeiseln der Spionage angeklagt und im Fernsehen vorgeführt. Selbstredend entgegen aller internationalen Normen. Die Beteiligten der offiziellen Visite atmen jetzt vermutlich tief und schwer durch. Vielleicht ist das ja eine Erklärung. Wohingegen der einleuchtende, simple  Gedankengang des Wall Street Journal über die unverbesserlichen deutschen Versuche nett zur „Islamischen Republik Iran“ zu sein nicht diese diese tiefe kriecherische Lust in Rechnung stellt, ohne die das politische Verhältnis Bundesrepublik – „Islamische Republik Iran“ vermutlich nicht zu verstehen ist.

Five German law makers recently returned from Iran, where they had traveled to promote „cultural exchange.“ They justified their meetings with Iranian officials in part as an attempt to win the release of two imprisoned German journalists. For their trouble, Tehran gave the parliamentarians a lesson in the futility of appeasement, charging the reporters on Tuesday with espionage. […] If having their journalists treated as hostages is what Germany gets for its „critical dialogue“ and „cultural exchange“ with Iran, then maybe it’s time for her government to take a tougher line.

via Iranfocus

Aufruf von Afshins Vater: Watch, listen and act!

Watch this video and listen to my father speak from the heart in an open letter to Iran’s so called “Supreme Leader” Ali Khamenei.

http://www.youtube.com/watch?v=1bWnoNTKq5M

Be the change you wish to see in the world, and join forces with freedom loving Iranians around the world. For over 30 years, Iranians have been held hostage in their own country under oppressive rule.  On February 11th  (Tehran time), hundreds of thousands, if not millions of Iranians are expected to take to the streets once again to reclaim their country. Please help and show your solidarity. Contact your local representative or become active by joining a human rights group. Be creative.

Make your own video plea directed at Khamenei or Ahmadinejad and send us a copy.

Iran needs us now!

Nazanin and Father

PS. Iranians are banned from accessing Youtube. For those who are capable, please forward this on to your Iranian contacts in a different format.