Hauptsache es fließt Blut: Die Ausnahme von der Regel

Michael Jacksons unerwarteter Tod bedeutet für die iranischen Mullahs sicher keine schlechte Nachricht.

Karikaturist Brian Gable von der Globe & Mail verweist auf eine unglückliche Ausnahme der Medien-Maxime Hauptsache es fließt Blut.

Zum Vergrößern bitte auf die Abbildung klicken.

Crossposted mit Medien BackSpin

9 Antworten to “Hauptsache es fließt Blut: Die Ausnahme von der Regel”

  1. diskordio Says:

    Diese Karikatur bringt es auf den Punkt: Die Weltbevölkerung interessiert sich eben mehr für sogenannte Celebtrities als für sterbende Iraner, die für ihre Freiheit demonstrieren.
    Traurig… sehr traurig.

  2. guincho Says:

    die Lage im Iran interessierte schon vor Michael Jacksons Tod kaum einen in Deutschland, und die Berichterstattung über den Iran hat in absoluten Werten sicherlich nicht abgenommen.
    und übrigens schaffen es selbst schlichte Personen, den Protesten im Iran wie auch der Nachricht über den Tod eines außerordentlichen Künstlers, welcher nun mal viele Biographien dieser Welt durch musikalische Begleitung direkt und über Jahre lang beeinflusst hat, gleichzeitig ihre Aufmerksamkeit zu schenken. Iran ist ein kritisches _Top_-Thema, aber es ist nicht das einzige. zudem halte ich Leute, die sich ausschließlich mit dem Iran beschäftigen, entweder nicht für glaubwürdig oder ganz einfach für gestört und überpolitisiert. Michael Jacksons Werk symbolisierte für mich jedenfalls westliche Werte und den entsprechenden lifestyle, und seine öffentliche Würdigung zu beneiden, sähe ich als ein bisschen dämlich an.

  3. Mr. Moe Says:

    @guincho:
    Auch wenn ich der Grundaussage Deines Kommentars durchaus zustimme: die Berichterstattung über den Iran hat in den letzten Tagen zweifelsfrei abgenommen (was ein Stück weit auch normal ist). Des Weiteren ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass Jacksons Tod zumindest für wenige Tage das dominierende Thema war/ist. Zumal es ja nicht darum geht, dass einzelne Personen sich nicht über den Iran und über Jackson informieren können, sondern darum, dass z.B. auf der Startseite von SPON die obersten drei Artikel über Jackson waren, wohingegen der Iran irgendwo nach ganz unten verschwunden war (jetzt ist es freilich, aufgrund der Dummheit der Mullahs, britische Botschafter festzunehmen, wieder anders).

  4. gegenkritik Says:

    Ein Zitat aus dem ADF, dem ich mich vollumfänglich anschließe:

    Wie schon hier im Voraus befürchtet (und doch wider böseres Wissen anders erhofft), hat sich der Herztod eines musikalischen Kebabspiesses prompt vor die versiegenden Bilder von verzweifelten Protesten im Iran geschoben. Es ist halt billiger und auflagenfördernder, über einen Herrn Jackson, über den jedes weitere Wort verschwendet ist, ellenlange copy & paste Kondolenzen zu schreiben, als sich in das unsichere métier persischer Twitter zu begeben, riskante Positionen einzunehmen und dem Westen, dieser verfaulenden Bastion der Freiheit, den Spiegel vorzuhalten. Auf diese Faulheit und Fäule, die sich durch alle Sphären der ersten Welt zieht, haben bisher die Totengräber der Menschheit oft genug erfolgreich spekuliert: Hutu-Milizen, Mudschahedin, Warlords, Caudillos und par excellence der iranische Gotteswahn.

    Solange es der Opposition nicht gelingt, irgendwas imposantes vor die Fernsehkameras zu bekommen, die Mullahs und appeaser (willentliche und nützliche Idioten) medial zu ohrfeigen, zementieren Khamenei und Ahmadinedschad ihre Diktatur. Es wird ihnen wohl nie mehr gelingen, alle Risse, die sich im Regime aufgetan haben, mit schlagbereiten Bassidschi vollzustopfen. Aber die Gravitation der Macht ist hier leider auf ihrer Seite. Moussavi, der vermeintliche softcore Islamist, hat versprochen, künftig „seine“ Demos brav anzumelden. Er hält weiter an der Illegimität der Wahl fest, immerhin, doch bei den Protesten ging es nie wirklich um ihn, auch wenn die Presse nie aufhörte, von den „Moussavi-Anhängern“ zu reden.

    Die Menschen, die im Iran ein zivilisiertes Leben mit minimalen individuellen Freiheiten haben wollen, sind, was sie in den letzten Jahrzehnten immer waren: gegen einen vor nichts zurückschreckenden Feind auf sich allein gestellt. Das muss nicht einmal das Ende bedeuten, aber es gibt Auskunft über den Zustand a) der Welt b) des Westens und c) der selbsterklärten Freunde der Emanzipation, die ihren Weg kaum zu den Kundgebungen gegen den Klerofaschismus gefunden haben. Und nun wieder etwas leichte Musik…

    • guincho Says:

      @Mr.Moe
      Das Thema war für etwa 36 Stunden dominierendes Thema, weil die meisten Menschen mit Michael Jackson auf Anhieb persönliche Erfahrungen assoziieren, mehr als mit dem Iran. solche Sachlagen einfach zu ignorieren, käme eher einer top-down Presse von Staats- oder Parteiwegen gleich, nicht aber einer liberalen Presseordnung, in welcher nun mal die (durchaus ungebildeten, bewusst desinteressierten, idiotischen) Leser mittels Kaufkraft agendabestimmend sind.

  5. Mr. Moe Says:

    @guincho:
    Ich habe das, soweit ich das sehe, gar nicht bewertet. Dass die Berichterstattung weitestgehend dem Interesse des Publikums folgt, ist mir klar.

  6. Bernd Dahlenburg Says:

    @guincho

    Überpolitisiert ist hier keiner, aber etwas überpointiert Ihre Hypothese. Im übrigen entspricht es dem Wesen von Karikatur, Sachverhalte zuzuspitzen.

    Ebensowenig ist aber auch zu bestreiten, dass sich die Mehrheit unserer Zeitgenossen mehr für das interessiert, was durch den Magen geht und weniger für das, was mit dem Hirn aufgenommen werden sollte – sozusagen eine anthropologische Konstante.

    • guincho Says:

      lieber Bernd,
      um nur ein Missverständnis auszuräumen: ich meinte nicht Dich, oder den Blog. sorry, wenn es so angekommen sein sollte. mit denen, die militant überpolitisiert sind, sollten sich nur jene angesprochen fühlen, welche Sachlagen in Verhältnis setzen, die einfach nichts und nada miteinander zu tun haben.
      und die vielen Leute, die sich nicht für den Iran mobilisieren lassen, tun das nicht, weil sie zu doof oder ungebildet sind, sondern weil ihnen die Lage im Iran _bewusst_ scheissegal ist. sie wollen Ahmadinedschad als stellvertretende Bastion gegen den verhassten Westen erst gar nicht gestürzt sehen, vor wie nach MJ’s Tod.
      lg

    • Bernd Dahlenburg Says:

      Is‘ schon okay!

      lg
      Bernd


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